Neckermann
Die neckermann.de GmbH, ein Versandhaus mit Sitz in Frankfurt am Main, wurde bis Ende 2005 unter dem Namen „Neckermann Versand AG“ geführt. Gründer des Erfolgsunternehmens war Josef Neckermann, der das Unternehmen in der Nachkriegszeit ins Leben rief und in den 50-er und 60-er Jahren mittels des Neckermann Katalog zu einem Konzern heranreifen ließ.
Neckermann wird als so genannter Universalversender bezeichnet, ist darüber hinaus aber auch als Reiseveranstalter tätig und betrieb über zwei Jahrzehnte hinweg eine Warenhauskette. Auch Einfamilien-Wohnhäuser, Versicherungen und Investmentfonds wurden über Neckermann vertrieben. Nachdem in den 70-er Jahren eine Krise das Unternehmen überschattete, wurde Neckermann im Jahr 1977 von der Karstadt AG größtenteils übernommen und stellte bis November 2007 ein Tochterunternehmen der Arcandor-Gruppe dar. Hernach wurde das Unternehmen an den US-Finanzinvestor Sun Capital Partners zu 51 Prozent veräußert.
Der Unternehmensgründer Josef Neckermann stammte aus einer reichen Unternehmerfamilie aus Würzburg. Er gründete zunächst die Textilgesellschaft Neckermann KG. Diese ging im April 1950 in die Neckermann Versand KG über, deren Komplementär der Firmengründer selbst war. Neckermann startete mit 107 Mitarbeitern und einem verhältnismäßig geringen Startkapital von 450.000 DM. Später wurde das Kapital erhöht, indem ein Kommanditist aufgenommen wurde und Banken und Gesellschafter langfristige Darlehen zur Verfügung stellten.
Hauptsitz des Unternehmens war schon damals Frankfurt am Main. Dort eröffnete er 1951 ein erstes Versandhaus, welche später auch an den Standorten Rosenheim, Trier, Kassel, Hanau und Würzburg zu finden waren. Etwa zur gleichen Zeit erschien der erste Neckermann-Katalog, welcher zwölf Seiten mit 133 preisgünstigen Textilartikeln umfasste. Die Auflage des Kataloges betrug 100.000 Stück. Bereits im ersten Jahr konnte Neckermann einen Umsatz von rund 10 Millionen DM erzielen. Gerade in den Nachkriegsjahren war der Nachholbedarf an sämtlichen Konsumgütern groß, und Neckermann erfreute sich dank günstiger Preise einer hohen Nachfrage und gewann schon bald eine erhebliche Stammkundschaft.
Neben Textilien kamen schon bald auch Kleinmöbel, Lederwaren, Lampen und ein Rundfunkgerät ins Programm. Auch Kühlschränke und Fernsehgeräte, sowie Fahrräder und Waschmaschinen wurden nur kurze Zeit später in den Katalog mit aufgenommen. Innerhalb der erste fünf Jahr wuchs der Neckermann-Katalog so von ursprünglich zwölf auf nunmehr 200 Seiten an. Sogar Mopeds wurden ab dem Jahr 1956 über Neckermann angeboten.
Zweimal jährlich erschien der Neckermann Katalog, der bald über eine Auflage von 3 Millionen Stück verfügte. Schon 1954 betrug der Umsatz 300 Millionen DM. Der Einzelhandel hatte, insbesondere im Elektrobereich, unter den günstigen Angeboten Neckermanns zu leiden, da die gleichen Produkte bei Neckermann teilweise 50 Prozent günstiger waren als im Fachhandel. Deshalb wurden alle Elektrohändler dazu aufgerufen, keine Neckermann-Geräte mehr zu installieren oder reparieren. Dieser Schuss ging allerdings nach hinten los – denn Neckermann trotzte dieser Aktion und baute sich sodann einen eigenen technischen Kundendienst auf, worauf der Umsatz bei Neckermann-Elektroartikeln weiter anstieg.
Das Unternehmen expandierte konstant weiter, schon 1965 konnte Neckermann mit 3.811 Mitarbeitern in der Versandzentrale aufwarten – in den Textilfabriken wurden weitere 14.297 Mitarbeiter beschäftigt. Erstmals erwirtschaftete das Unternehmen in diesem Jahr eine Umsatz von mehr als einer Milliarde DM. In den 60-er Jahren entstanden außerdem weitere Geschäftszweige, wie die Neckermann Eigenheim GmbH, die Fertighäuser schlüsselfertig zum Verkauf anbot oder die Neckermann Reisen GmbH & Co. KG.
Neckermann erhielt allerdings schon in der Nachkriegszeit große Konkurrenz. Quelle und Otto waren starke Wettbewerber. Und obwohl Neckermann gute Umsätze zu verzeichnen hatte, schrieb das Unternehmen rote Zahlen, die auf der gnadenlosen, eigenen Preispolitik beruhten. Hinzu kam die Ölkrise 1973, die dem Unternehmen zu schaffen machte. Die Nachfrage ging zusehends zurück, viele namhafte Unternehmen standen vor der Insolvenz. Die Folge eigener unternehmerischer Fehlentscheidungen und der allgemein schlechten wirtschaftlichen Bedingungen war der Einstieg Karstadts als neuer Großaktionär bei Neckermann. Die Firma wurde in eine reine Aktiengesellschaft umgegliedert und nach und nach stiegen die Familienmitglieder Neckermanns aus dem Unternehmen aus. Das „neue“ Unternehmen wurde saniert und umstrukturiert, um wieder konkurrenz- und marktfähig zu sein. Man setzte den Fokus wieder vermehrt auf das Versandgeschäft und veräußerte die Geschäftsbereiche Reisen, Immobilien und Versicherungen. In den 80-er Jahren schreib die Neckermann Versand AG erstmals wieder schwarze Zahlen. Im Jahr 1999 fusionierte Karstadt mit Quelle zur KarstadtQuelle AG, welche später in die Arcandor AG umbenannt wurde.
Heute ist Neckermann nach dem europäischen Marktführer Quelle GmbH und dem Otto-Versand der drittgrößte Universalversender Deutschlands sowie der fünftgrößte Anbieter Europas. Bereits 2005 wurde der Hauptkatalog von Neckermann rund sieben Millionen Haushalten zugestellt, der Umsatz betrug zu dieser Zeit schon mehr als 1,2 Milliarden Euro. In Europa besitzt Neckermann zahlreiche Tochterunternehmen, unter anderem in den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Belgien. Auch in Osteuropa sowie Russland und Weißrussland ist Neckermann aktiv. Seit 1995 besteht die Internetpräsenz des Anbieters, über deren Online Shop sämtliche Artikel genau wie über den Neckermann Katalog bestellt werden können. Darüber hinaus können Informationen zu den einzelnen Artikeln abgerufen werden.
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